Japancraft 21

Inhaltsverzeichnis
Bei SUSHIYA in München sind wir fasziniert von der japanischen Küche und Kultur. Unsere Aufgabe ist es, das japanische Handwerk unserer Köche und die vielen Geschichten, die die japanische Küche bietet, für unsere Gäste kulinarisch zu übersetzen. Aber natürlich beschränkt sich die Tiefe des japanischen Handwerks nicht nur auf die Küche - sie findet sich in allen Bereichen japanischen Lebens und Schaffens. Der Erhalt der handwerklichen Fähigkeiten und des Wissens um die richtigen Techniken ist aber nicht mehr automatisch gegeben: immer mehr Wissen geht verloren. Und oft braucht es Menschen von aussen, um einen Unterschied zu machen. Steve Beimel, ursprünglich aus Amerika und heute in Kyōto lebend, hat sich dem Erhalt des japanischen Handwerks verschrieben und eine Organisation gegründet, die Unterstützung verdient.

In einem Vorort von Los Angeles aufgewachsen kam Steve Beimel 1971 nach Japan. Noch heute erinnert er sich an seine ersten Eindrücke und Erfahrungen. „Ich betrat meine neue Wohnung mit ihren Tatami-Matten, Shoji-Fenstern, dem Futon-Bett, einer Teekanne aus Hagi-Keramik, dazu Lackschüsselchen und einer ganzen Schublade voll mit handgefertigten Besteckteilen aus Bambus und Holz. In kurzen Worten: ich betrat ein Märchenland japanischer Handwerkskunst.“ 

Er war sofort beeindruckt und begeistert von japanischer Keramik, Zimmermannswerk und Lackarbeiten, von den Stoffen und Farben, den Metallarbeiten und Bambuskörben. All diese immer seltener werdenden Künste gehören weltweit zu den außergewöhnlichsten Manifesten menschlichen Geistes.

Steve Beimel - japanbegeisterter Gründer von japancraft21

Ein Märchenland der Handwerkskünste

Als Japan 1868 nach jahrhundertelanger Selbstisolation die Weltbühne betrat, überraschte es die westliche Welt mit beeindruckend schönen, meisterlichen Werken von außergewöhnlicher Qualität, Kreativität, Können und Vielfalt und wurde so bald zu einem neuen Zentrum der Inspiration für Handwerker in aller Welt. Die industrielle Revolution in Japan geschah erst sehr viel später als im Westen und so blieb es (bis noch vor kurzem) eine der letzten großen Bastionen handwerklicher Kunstfertigkeit.

Japanisches Handwerk vom Aussterben bedroht

Doch heutzutage kämpfen meisterhafte Weber, Färber und Sticker ums Überleben, während maschinell bedruckte Kimonos den Markt überschwemmen. 

Der Verkauf von Lackarbeiten fiel um fast 80% in den letzten 20 Jahren. 

Nur wenige junge Menschen kommen nach, wenn jetzt allmählich die alten Meister der Bambusflechter in den wohlverdienten Ruhestand gehen. 

Junge Zimmerleute lernen zwar den Umgang mit elektrischen Nagelpistolen aber nicht mehr Holzverbindungen ohne Einsatz von Nägeln. 

Dies sind nur einige Beispiele aus einer langen Liste. 

Und auch diejenigen, die die hierfür erforderlichen Werkzeuge herstellen, diejenigen, die die entsprechenden Farben, die Pinsel und die Schablonen schaffen, werden immer weniger. 

Von den um 1980 noch etwa 300.000 Meistern ihrer Zunft gibt es inzwischen nur noch ca. 50.000.

Eine unserer Wettbewerbsgewinnerinnen, Asako TAKEMI, wird mit einem Färbermeister gezeigt, während dieser das Muster einer schablonengefärbten Stoffbahn verwischt, um einen subtileren Effekt zu erzielen.

Das Bewusstsein fehlt in Japan

Ironischerweise ist die Nachkriegsgeneration der Japaner erstaunlich unwissend, was die ruhmreiche eigene Kultur angeht. Sie erkennen die akute Bedrohung dieser Handwerkskünste weniger als Ausländer, die seit langem diese Künste bewundern, studieren und sammeln. So hat mangelndes Interesse inländischer Käufer dazu geführt, dass zeitgenössische japanische Keramik zu den größten Schnäppchen in der Welt internationaler Sammler wurde. 

Die Kultur der Stille ist vom Aussterben bedroht

So wie in Japan die Kulturinstitutionen allmählich weniger werden, die diese Handwerke ge- und unterstützt haben, so werden die Werke meisterlichen Könnens auf diesem Gebiet immer seltener.

Der Buddhismus verliert gegen eine regelrechte Beerdigungsindustrie.

Traditionelle Tee-Zeremonie, Blumenkunst und Kalligraphie können nicht mit der schnelllebigen Kultur von Spielen und Unterhaltung konkurrieren.

Präsidenten großer Firmen sind nicht mehr Förderer der Teezeremonie sondern gehen lieber auf den Golfplatz. 

Meisterhafte Zimmerleute, die individuelle Häuser aus Holz bauen, sehen sich der Konkurrenz ausgesetzt von Firmen, die im großen Rahmen industriell produzieren. 

Traditionelle Weber und Färber geraten unter Druck durch die großen Bekleidungsmarken, die mit riesigen Werbeetats einfach ständig neue Trends kreieren.

JapanCraft21 will das Handwerk in Japan bewahren

In all diesem Rückgang wird JapanCraft21 aktiv. Gegründet im Jahr 2018 möchte die Organisation eine Wende anstoßen für die Entwicklung auf dem Gebiet der meisterlichen Handwerke Japans.

In der letzten Zeit initiierte JapanCraft21 mehrere Wettbewerbe zur Wiederbelebung traditioneller Handwerke (Japan Traditional Craft Revitalization Contest). Jeder einzelne davon soll ermöglichen, dass eines dieser Handwerke auch im 21. Jahrhundert nicht nur überleben sondern gedeihen kann.

Dieser von Asako TAKEMI hergestellte meisterliche Obi vereinigt verschiedene Techniken: Schablonieren (Katazome), Abbinden (Shibori) und Blattsilberapplikation. JapanCraft21 stellt ein Unterhalts-Stipendium zur Verfügung, damit sie sich ganz auf das Erforschen und Vertiefen ihrer vorhandenen Kenntnisse in diesen Techniken konzentrieren kann.

Weltweites Netzwerk von Unterstützern zur Wahrung des japanischen Handwerks

Außergewöhnliche Menschen mit Talent, Leistungsnachweis und der Passion, ein traditionelles Handwerk in der Gegenwart wiederzubeleben, erhalten so Unterstützung dabei, ihre Vision wahr werden zu lassen. 

Eine stetig wachsende Mitgliederschaft sowohl national als auch international ermöglicht dies ebenso wie die Kooperation mit der Asia Society (Japan Center), einer hoch respektierten internationalen Kulturinstitution, die als Co-Sponsor für diese Serie von Wettbewerben auftritt. 

Jeder Gewinner des ersten Platzes bei einem Ronnie Prize erhält 5 Millionen Yen (derzeit ca. 37.000 Euro) für die Erreichung seines Ziels und darüber hinaus unterstützen ihn Mentoren, die aus den unterschiedlichsten Gebieten kommen wie Business, Design, Produktentwicklung, IT und Marketing. Zusätzlich erhalten alle 10 Finalisten ein breites und signifikantes Unterstützungspaket.

Bei der Gründung von JapanCraft21 lag der Fokus zuerst auf hochwertigen Holzverbindungen. In Zusammenarbeit mit Tomohiro Naito (Präsident von Naito Komuten), einem Meister der Zimmermannskunst in Kyoto in 5. Generation, entstand so eine NPO mit dem Namen Shishokai von Meistern traditioneller Baukunst. Seither gibt es eine Schule, die sich darauf spezialisiert hat, fast ausgestorbene Techniken zu vermitteln. In Intensivkursen, die über einen längeren Zeitraum jeweils an den Wochenenden stattfinden und kostenlos sind, lernen junge Zimmerer in Kyoto die alten Techniken. Die ersten sechs Absolventen gehören jetzt zu den wenigen Zimmerleuten in Japan, die auch heute noch ein Haus aus Holz komplett ohne Nägel bauen können. 

Derzeit lernen weitere sechs junge Zimmerleute diese traditionelle Technik der Holzverbindungen. Gleichzeitig wurde Angebot erweitert: 5 junge Pflasterer und 5 junge Gärtner lernen die nahezu vergessene Kunst, aus Bambus und Lehm Wände zu bauen. 

Takuya TSUTSUMI, Gewinner des JapanCraft21 2021 Ronnie Prize (1. Platz) für die Revitalisierung von Lackarbeiten

Helfen Sie mit, das Wissen und das Können zu bewahren

Die Handwerke Japans sind ein internationaler Schatz. Sie haben für mehr als 150 Jahre Menschen auf der ganzen Welt bereichert und inspiriert. Dieses Erbe gehört uns allen und vielleicht ist dies die letzte Chance, es zu erhalten.

JapanCraft21 möchte den Beweis antreten, dass auch kleine, private Organisationen ihre Ressourcen nutzen und so den Unterschied machen können.

Auch Sie können ihren Teil beitragen, dieses Ziel zu erreichen. Besuchen Sie die Website www.japancraft21.com und informieren Sie sich darüber, wie Sie durch einen Mitgliedsbeitrag oder eine Spende diese Organisation und ihre Ziele unterstützen können. Steve Beimel und seine Mitstreiter sind dankbar für jede Art der Unterstützung und jeden Follower auf Social Media.

Auch kleine Beträge & Beiträge helfen und so unterstützt auch die SUSHIYA GmbH mit einem zumindest symbolischen Beitrag Japancraft 21.

Und natürlich freut sich Steve Beimel auch über Follower auf Instagram.

Am 25. Juni gibt es von Steve Beimel in Zusammenarbeit mit der DJG in Bayern einen Vortrag über japanische Ästhetik. Besonders passend für uns, denn SUSHIYA wurde gegründet aufgrund der Begeisterung von dem früheren Japanologen Alexander Reinelt für japanische Ästhetik und Kultur.

Der Vortrag ist kostenlos, erfolgt auf Englisch über Zoom am SAMSTAG, 25. Juni 10h Münchner Zeit. Registrieren Sie sich hier:
https://forms.gle/GMBGbqR8jn9prTFc8

Der Gewinner des Wettbewerbs, Masakuni SEKI, ist ein Hersteller von Lackwaren. Es handelt sich um Holzschalen und -becher mit silberner Oberflächendekoration im Makie-Stil, die von jungen Lackkunsthandwerkern in dem von ihm gegründeten Gemeinschaftsunternehmen in Fukushima hergestellt werden.
Omotenashi – Gastfreundschaft auf Japanisch

Omotenashi ist die Bezeichnung für eine besondere Form der japanischen Gastfreundschaft, die tief in japanischer Kultur und Philosophie verankert ist. Zwischen Gast und Gastgeber herrscht dabei trotz klarer Rollenverteilung eine grundsätzlich ebenbürtige und von gegenseitigem Respekt geprägte Beziehung. Der Gast wertschätzt die Bemühungen des Gastgebers und der Gastgeber tut alles dafür, dass der Gast sich wohlfühlen kann und eine schöne Erfahrung hat.