Kokorozuke – Trinkgeld auf japanisch

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Kürzlich kam bei uns im Restaurant die Frage auf, ob Trinkgeld in Japan nicht gegeben werde und wie wir es im Restaurant sansaro in München damit halten würden.
Wir sind immer wieder beeindruckt von den Kenntnissen und dem großen Interesse, das unsere Gäste in Bezug auf die Kultur und die Gebräuche der Japaner haben und gehen hier mal näher auf das Thema „Trinkgeld in Japan“ ein.

Die ganz schnelle Antwort: natürlich dürfen und sollen Sie in japanischen Restaurants in Deutschland gerne Trinkgeld geben. In Japan selber ist die Sache – wie immer – etwas komplizierter…

Was ist Kokorozuke

Genau genommen stimmt es nicht, dass es in Japan kein Trinkgeld-System gibt. Es ist in bestimmten Situationen durchaus üblich, denen Geld zu geben, die für den Service sorgen und zwar in Form von “Kokorozuke” (心付け), was übersetzt soviel bedeutet wie „vom Herzen kommend“. (心 Kokoro heisst Herz auf Deutsch)

Bei verschiedenen Gelegenheiten geben Japaner dieses besagte Kokorozuke der Bedienung wie zum Beispiel  dem Service im “Ryokan (einem traditionellen japanischen Hotel), oder im “Ryotei” (einem japanischen Restaurant), einem Mitarbeiter einer Hochzeits- oder einer Begräbniszeremonie oder einem Taxifahrer. In Japan ist es nämlich mehr ein Ausdruck von Dankbarkeit des Gastes als die Würdigung des Services. Das ist auch der Grund, weshalb diese “Gabe von Herzen” oft schon gegeben wird, bevor das Bedienen beginnt.

Trinkgeld & Omotenashi

Im Geist von Omotenashi glauben einige Menschen, dass  für die Bemühungen und die Fürsorge um einen Gast kein finanziellen Ausgleich erwartet werden sollte. Es gibt auch die weiterverbreitete Vermutung, dass es in Japan kein Trinkgeld in Restaurants gibt, da die Rechnungen oft eine sogenannte „service charge“ enthalten.

Kein Trinkgeld-Automatismus in Japan wie im Westen

Und tatsächlich gibt es in Japan auch keinen Automatismus des Trinkgeld-Gebens in Restaurants, wie es ihn beispielsweise in Europa oder Amerika gibt. Das alles hat aber nicht damit zu tun, dass Trinkgeld in irgendeiner Form eine Beleidigung in Japan wäre. 

Es geht eher, wie sooft in Japan, um eine Form des gegenseitigen Respekts in allen möglichen komplizierten Ausprägungen.

Direktes Übergeben von Geldgeschenken in Japan oft unangenehm

Richtig ist: in Japan empfindet man es als unangenehm, jemandem direkt Geld zu geben. Gerade Geldgeschenke zu bestimmten Anlässen wie Hochzeit, Beerdigung und dergleichen werden deshalb in einen Umschlag getan oder in Papier eingewickelt.

Außerdem muss man wissen, dass in Japan Trinkgeld nicht als ein Teil des üblichen Einkommens der Service-Kräfte gilt. Die meisten Japaner sehen nämlich den Arbeitslohn als angemessene Vergütung für ihre Arbeit.

Man geht also erstmal davon aus, dass man für seine Arbeit bezahlt wird und diese daher – sowieso – ordentlich und im Gästeservice von Herzen gerne so gut wie möglich macht.

Obwohl Kokorozuke üblicherweise nur in bestimmten Situationen gegeben wird, ist die Gabe von Trinkgeld also nicht in irgendeiner Weise beleidigend oder problematisch. Es ist in der normalen Gastronomie nur schlicht unüblich. Es ist weder ungehörig, es zu geben, noch, es nicht zu geben.

Wie und wann man Kokorozuke in Japan geben kann

Weil jedoch – trotz dieser grundsätzlichen Freiheit – einiges zu beachten ist, wenn man in Japan Kokorozuke geben möchte, wollen wir hier ein paar Hinweise dazu geben (diese beziehen sich natürlich nicht auf Hochzeiten oder Begräbnisse, mit denen ein Tourist in der Regel weniger zu tun hat).

Bei welcher Gelegenheit gibt man Kokorozuke?

  • In einem Hotel, einem Restaurant, einem Taxi oder Fahrdienst, wenn man eine besondere Leistung erhalten hat, wie zum Beispiel ein besseres Zimmer, oder wenn man aus irgendwelchen Gründen Speisen und Getränke mit aufs Zimmer bringt oder Dienstleistungen erbittet, die normalerweise nicht üblich sind. Der Mindset: wenn ich dem Restaurant, Hotel, Taxifahrer etc. etwas anderes zumute als das Übliche, so sollte ich mich dafür erkenntlich zeigen bzw. mein Bewusstsein dafür dokumentieren, dass ich etwas Unübliches erbitte. Vergleichbar mit dem Korkgeld in einem Restaurant, wenn man aus irgendwelchen Gründen einen eigenen Wein mitbringen möchte.
  • Wenn ein Fahrer Ihnen mehr als üblich behilflich ist.
  • In einem Café oder Schnellrestaurant ist selten die Gelegenheit für ein Extra-Trinkgeld.

Was ist der richtige Zeitpunkt für Kokoruzuke

  • In den meisten Hotels und Restaurants gibt es Mitarbeiter, deren Aufgabe es ist, sich gezielt um Sie zu kümmern. Sie werden “Nakai” (仲居) genannt. Wenn Sie von diesem Mitarbeiter zu Ihrem Tisch oder Ihrem Zimmer geleitet werden, dann sagen Sie: „Vielen Dank, dass Sie alles vorbereitet haben“ und geben Kokorozuke.
  • Für besondere Arrangements gibt man Kokorozuke nachdem sie vereinbart oder fertiggestellt wurden.
  • Nach einer Taxi-Fahrt können Sie – anders als in den vorher beschriebenen Situationen – das Wechselgeld als Tip dalassen.

Wie gibt man Kokorozuke?

Stecken Sie das Geld in einen Umschlag oder wickeln Sie es in Papier.
In Japan gibt es kleine Umschläge, die man “Pochi-bukuro” (ポチ袋) nennt und für Kokorozuke oder sonstige Geldübergaben benutzt werden. Diese Umschläge kann man in Konbinis, Supermärkten, Schreibwarengeschäften etc. kaufen und wenn Sie Pochi-bukuro-Umschläge dabei haben, können Sie jederzeit auf elegante Weise ein Kokorozuke übergeben.

Wieviel gibt man als Kokorozuke?

Kokorozuke gibt man immer in Papiergeld, niemals in Münzen. Wenn es sich um Japanische Yen handelt, sollten es 1000 Yen (etwa 8,- €) oder mehr sein. Wenn Sie zum Beispiel in einem Zimmer für 30 000 Yen übernachten, gibt man durchschnittlich 3000 Yen. Da jedoch Kokorozuke Ihr „wirkliches Gefühl“ sein soll, ist es auch kein Problem, wenn Sie 1000 Yen geben.

In Japan ist Kokorozuke keineswegs verpflichtend

Noch einmal ganz deutlich: Kokorozuke ist kein verpflichtender Brauch in Japan! Wenn Sie mit dem Service zufrieden sind, genügt es, dies zu sagen. Es geht zuerst um die gegenseitige Anerkennung, einen respektvollen Umgang, wenn man sich miteinander in irgendeiner Form von Geschäftsbeziehung befindet. Wenn Sie aber Ihrer Zufriedenheit einen sichtbaren Ausdruck verleihen möchten, geben Sie Kokorozuke von Herzen.

Trinkgeld in japanischen Restaurants in Deutschland

Hier in Deutschland sind die meisten Mitarbeiter in der Gastronomie an Trinkgeld gewöhnt — und oft ist es ein wichtiger Teil für ein Restaurant, denn die Deutschen sind bekanntlich ansonsten gerne sparsam, was Essen angeht.

Im Restaurant Sansaro werden die Trinkgelder unter den Mitarbeitern meistens geteilt und wir betrachten sie nicht einfach als Geld, sondern als ein Geschenk von Herzen von unseren Gästen. 

Das freut uns sehr, denn wir bemühen uns unsererseits von Herzen gern um jeden Gast und jeden Teller, was ohne eine fleissige und große Küchen-Crew nicht möglich wäre.
Da vor allem das Küchen-Team keine Gelegenheit hat, direkt mit den Gästen zu sprechen, glauben wir, dass Trinkgeld auch eine Art Botschaft ist, dass unsere Gäste das Essen genossen haben. Es ist eine Motivation für uns alle, uns immer weiter zu verbessern. 

Vielen Dank dafür.

Restaurant Toshi in München geschlossen

Eine traurige Nachricht erreichte uns überraschend Anfang März 2022: „Toshi“, das Restaurant von unserem Kollegen & Konkurrenten Toshio Kobatake in